Paranoid Fish reviewed Ein wenig Leben by Hanya Yanagihara
None
5 stars
Eines vorweg: dieser Roman ist sehr konstruiert, die geschilderten Ereignisse sind in ihrer Summe äußerst unwahrscheinlich, mindestens ein Erzählstrang ist irgendwie aus der Zeit gefallen und selbst die Charaktere sind nicht besonders realistisch. Mich hat das nicht gestört; ich glaube, die Autorin verfolgt hier einfach andere Ziele. Es geht um vier Freunde, und einem von ihnen, Jude St. Francis, sind in seiner Kindheit und Jugend schreckliche Dinge widerfahren; einiges passiert ihm auch noch später. Vieles davon ist schwer zu ertragen, auch wenn die Autorin meist nicht zu sehr ins Detail geht. Was sie uns aber eindrucksvoll zeigt, ist, wie Missbrauch und Trauma weit über die betroffene Person hinaus wirken, ihr ganzes Umfeld berühren und mit in den Abgrund ziehen können. Auch, wie seelische Beschädigungen sich – hier auch symbolisch – körperlich manifestieren. Dem stellt sie die Liebe gegenüber, die der Freunde, der Familie und Partner; was sie vermag, und welche …
Eines vorweg: dieser Roman ist sehr konstruiert, die geschilderten Ereignisse sind in ihrer Summe äußerst unwahrscheinlich, mindestens ein Erzählstrang ist irgendwie aus der Zeit gefallen und selbst die Charaktere sind nicht besonders realistisch. Mich hat das nicht gestört; ich glaube, die Autorin verfolgt hier einfach andere Ziele. Es geht um vier Freunde, und einem von ihnen, Jude St. Francis, sind in seiner Kindheit und Jugend schreckliche Dinge widerfahren; einiges passiert ihm auch noch später. Vieles davon ist schwer zu ertragen, auch wenn die Autorin meist nicht zu sehr ins Detail geht. Was sie uns aber eindrucksvoll zeigt, ist, wie Missbrauch und Trauma weit über die betroffene Person hinaus wirken, ihr ganzes Umfeld berühren und mit in den Abgrund ziehen können. Auch, wie seelische Beschädigungen sich – hier auch symbolisch – körperlich manifestieren. Dem stellt sie die Liebe gegenüber, die der Freunde, der Familie und Partner; was sie vermag, und welche Hoffnungen sie verspricht, aber auch wo sie hilflos bleibt. Der Roman ist sehr aufwühlend und emotional, kitschig fand ich ihn dabei aber nicht: dafür bricht er zu sehr mit Klischees und Erwartungen. Am Ende wird klar, dass dieses „bisschen“ Leben trotz all seiner Beschädigungen und allem Leid großartig und reich ist, schrecklich und schön, und dass es durch die Liebe in etwas erhabenes transzendiert werden kann.