Name reviewed Etomi. Aufbruch by Jol Rosenberg (Etomi, #2)
Abschluss der Etomi-Dilogie
4 stars
"Etomi. Aufbruch" ist der zweite Teil der Etomi-Dilogie von Jol Rosenberg über die Welt im 24. Jahrhundert.
Das Cover des Buches gefällt mir. Die Kuppel aus dem Cover des ersten Bands nimmt hier etwas weniger Platz ein und rückt kleiner in den Hintergrund. Das passt als Darstellung dazu, dass sich die Charaktere nun weiter weg von der Kuppelstadt bewegen. Der Hintergrund wirkt für mich durch die andere Farbgestaltung diesmal nicht ganz so unwirtlich und ich assoziiere damit eher einen Himmel außerhalb der Kuppel. Es hätte mir noch besser gefallen, wenn der Untertitel (Erwachen bzw. Aufbruch) bei beiden Büchern einheitlich nur in Großbuchstaben oder eben mit Groß- und Kleinbuchstaben geschrieben worden wäre. Auf den Buchrücken ist es gleich geschrieben, aber vorne auf dem Cover ist es ERWACHEN bzw. Aufbruch. Möglicherweise liegt in dem Unterschied aber auch – analog zur abweichenden Kuppelgröße und Farbe – eine bewusste tiefere Bedeutung, die ich …
"Etomi. Aufbruch" ist der zweite Teil der Etomi-Dilogie von Jol Rosenberg über die Welt im 24. Jahrhundert.
Das Cover des Buches gefällt mir. Die Kuppel aus dem Cover des ersten Bands nimmt hier etwas weniger Platz ein und rückt kleiner in den Hintergrund. Das passt als Darstellung dazu, dass sich die Charaktere nun weiter weg von der Kuppelstadt bewegen. Der Hintergrund wirkt für mich durch die andere Farbgestaltung diesmal nicht ganz so unwirtlich und ich assoziiere damit eher einen Himmel außerhalb der Kuppel. Es hätte mir noch besser gefallen, wenn der Untertitel (Erwachen bzw. Aufbruch) bei beiden Büchern einheitlich nur in Großbuchstaben oder eben mit Groß- und Kleinbuchstaben geschrieben worden wäre. Auf den Buchrücken ist es gleich geschrieben, aber vorne auf dem Cover ist es ERWACHEN bzw. Aufbruch. Möglicherweise liegt in dem Unterschied aber auch – analog zur abweichenden Kuppelgröße und Farbe – eine bewusste tiefere Bedeutung, die ich nur nicht erkenne. Mich hat es nur auf den ersten Blick direkt irritiert.
Der Geschichte vorangestellt ist noch eine Seite mit Inhaltswarnungen. Außerdem gibt es am Ende des Buchs ein Glossar mit Erklärungen zu verschiedenen Begriffen aus der im Roman entworfenen Welt. Weiterhin werden in dem Glossar die im Roman genutzten Neopronomen sowie diverse Geschlechtsidentitäten im nichtbinären Spektrum erläutert. Das ist hilfreich, um sich auch bei unbekannten Begriffen zurechtzufinden und mehr darüber zu erfahren.
Der Schreibstil ist für mich angenehm und gut zu lesen. Besonders gelungen finde ich über beide Bände hinweg die Umsetzung der Nutzung von genderneutraler Sprache. Das passt meiner Meinung nach auch gut in diese Welt, in der sich die Personen üblicherweise direkt mit Namen und Pronomen vorstellen und vorher bewusst keine Einordnung durch die Beschreibung erfolgt. Erst nach einer Klarstellung wird auch die weitere Sprache in Bezug auf die Person angepasst. Das hatte sich für mich einfach natürlich eingefügt und ich hatte zunächst gar nicht so sehr darüber nachgedacht, aber Jol Rosenberg geht im Nachwort noch explizit auf die Entscheidung ein, das so umzusetzen, so dass ich das nun auch noch positiv hervorheben möchte.
Die Geschichte beginnt wieder mit einem Statuseintrag der ZI. Diese Einträge werden auch wieder zwischendurch eingeflochten und bieten eine zeitliche Einordnung der Geschehnisse.
Die Geschichte wird weiterhin aus der Perspektive von Lea, Josa und Nori erzählt. Die drei beginnen die Reise zwar zusammen, aber es kommt bald zu einer Trennung und so erfährt man beim Lesen, wie es ihnen jeweils ergeht.
Die Abschnitte aus Noris Sicht fand ich wieder besonders interessant, weil sie einen gut dargestellten Einblick in seine von den anderen Perspektiven nochmal deutlich abweichende Denkweise geben.
Die Umgebung außerhalb von Aranus und Eos, in der die Handlung diesmal spielt, wird gut beschrieben. Gerade nach den weitergehenden Fragen aus dem ersten Teil und vor dem Hintergrund der unzureichenden Datenbasis, die zuvor von der ZI bereitgestellt wurde, war ich neugierig darauf, noch mehr über diese Welt zu erfahren.
Eine große Stärke des Buches ist aus meiner Sicht wie schon im ersten Band die Darstellung der verschiedenen Charaktere sowie ihrer Entwicklung und die Beziehungen der Personen untereinander. Dabei liegt der Fokus auch auf den verschiedenen Hintergründen und der Herkunft der einzelnen Figuren und die sich daraus ergebenden unterschiedlichen Perspektiven und Konflikte.
Besonders interessant fand ich es hier Nori weiter außerhalb seiner gewohnten Umgebung unter verschiedenen Bedingungen auf sich selbst gestellt agieren zu sehen. Durch die Reise und die neue Umgebung mit verschiedenen Eindrücken und Kontakten konnte er sich hier auch noch mehr weiterentwickeln. Ich mochte auch die Darstellung seiner Beziehung zu Ray.
Zusätzlich zu den bereits bekannten Gruppen werden diesmal noch Cyber in den Fokus gerückt. Es war interessant, auch über diese mehr zu erfahren.
Zu der Frage aus dem ersten Band, was es bedeutet, menschlich zu sein, kommt hier noch der Aspekt der Rechte der verschiedenen Gruppen auf der Welt (Menschen, Klone, Cyber, KIs und Tiere) hinzu, denn die Gruppe „System 5“, zu der Nori stößt, setzt sich für die gleichen Rechte dieser fünf Systeme ein. Dieses Thema wird hier besonders durch Ray aufgegriffen, eine Cyber, dier zunächst bei System 5 Noris Mentorx wird. Durch den zusätzlichen Fokus auf Cyber, die im ersten Band nicht im Detail behandelt wurden, werden die Fragen nun außerdem noch aus einer weiteren unterschiedlichen Perspektiven näher beleuchtet. Aber auch der Aspekt der Ähnlichkeiten zwischen Klonen und Eos-Menschen wird in einem Gespräch zwischen Lea und Nori nochmal aufgegriffen, was mir gefallen hat. Ich mochte diese „philosophischeren“ Anteile insgesamt wieder sehr, auch weil sie mich zusätzlich dazu anregen, mir selbst weiter zu diesen Fragen Gedanken zu machen.
Der Fokus auf die Charaktere und ihre Beziehungen sowie die angesprochenen tiefergründigen philosophischen Themen gehen jedoch nicht auf Kosten der Handlung. Die übergeordnete Handlung war klar und es gab einen nachvollziehbaren roten Faden. Im Detail war ich allerdings zwischendurch mit den verschiedenen Leveln an potentiellen Täuschungsmanövern, Intrigen und Manipulationen der Datensysteme durch verschiedene Parteien etwas überfordert. Insbesondere Josa artikuliert zwar immer mal wieder selbst, dass sie die gesamte Lage nicht überblicken (können) und eine gewisse Verwirrung ist wahrscheinlich auch durchaus gewollt, aber ich habe hier zwischendurch eher abgeschaltet und die Dinge hingenommen anstatt wie beim ersten Teil bei offenen Fragen interessiert mitzurätseln und meine eigenen Gedanken und Theorien zu entwickeln. Solche “Rätsel“ mit Fokus auf diversen Intrigen und Täuschungen verschiedener Gruppen auf mehreren Ebenen sind aber auch einfach nicht so mein Ding. Außerdem hatte ich – eher unbewusst – nach dem Lesen des ersten Teils irgendwie schon eine andere Vorstellung zu der Reise aufgebaut, was aber natürlich nicht dem Buch anzulasten ist. Im Klappentext werden die Intrigen ja sogar explizit erwähnt. Der Spannungsbogen wird aber innerhalb der Abschnitte aus den verschiedenen Handlungssträngen und auch übergreifend über die gesamte Handlung hinweg stetig aufrechterhalten. Das Ende ist schließlich relativ offen, aber aus meiner Sicht nicht unbefriedigend.
Insgesamt bietet der Abschluss der Dilogie eine trotz der für mich teilweise undurchsichtigen Intrigen und Manipulationen der verschiedenen Parteien spannende und unterhaltsame Handlung mit einen Einblick in eine interessante Welt und regt auch zum Nachdenken an.