Brackmeister reviewed Im Westen nichts Neues by Erich Maria Remarque
Anklage oder Bekenntnis?
5 stars
Ich muss zugeben, mich hat das "Mini-Vorwort" des Buches zunächst etwas verwirrt: »Dieses Buch soll weder eine Anklage noch ein Bekenntnis sein. Es soll nur den Versuch machen, über eine Generation zu berichten, die vom Krieg zerstört wurde – auch wenn sie seinen Granaten entkam«
Das wirkte auf mich ein bisschen wie eine Aussage "Ich werde Euch was erzählen, das Euch nicht passen wird, aber verschont mich bitte mit Euren Kommentaren". Zumal ich persönlich den Roman schon eindeutig als eine Anklage für ein "Nie wieder" empfinde.
Der Anhang zu den Fassungen, die vor der Erstpublikation als Buch existierten (erste beim Verlag eingereichte Rohfassung, um allzu grauenvolle Beschreibungen gekürzte Vorabversion in einer Zeitung), macht aber deutlich, wie das gemeint war. Ursprünglich sollte der Roman deutlich politischere Aussagen gegen den Krieg enthalten. Beispiele dafür kann man im Anhang dann auch nachlesen. Für die Publikation wurde das aber entschärft, so dass …
Ich muss zugeben, mich hat das "Mini-Vorwort" des Buches zunächst etwas verwirrt: »Dieses Buch soll weder eine Anklage noch ein Bekenntnis sein. Es soll nur den Versuch machen, über eine Generation zu berichten, die vom Krieg zerstört wurde – auch wenn sie seinen Granaten entkam«
Das wirkte auf mich ein bisschen wie eine Aussage "Ich werde Euch was erzählen, das Euch nicht passen wird, aber verschont mich bitte mit Euren Kommentaren". Zumal ich persönlich den Roman schon eindeutig als eine Anklage für ein "Nie wieder" empfinde.
Der Anhang zu den Fassungen, die vor der Erstpublikation als Buch existierten (erste beim Verlag eingereichte Rohfassung, um allzu grauenvolle Beschreibungen gekürzte Vorabversion in einer Zeitung), macht aber deutlich, wie das gemeint war. Ursprünglich sollte der Roman deutlich politischere Aussagen gegen den Krieg enthalten. Beispiele dafür kann man im Anhang dann auch nachlesen. Für die Publikation wurde das aber entschärft, so dass der Text "neutraler" rüberkommt und sowohl von Kriegsgegnern als auch Befürwortern akzeptiert wird. Jetzt, 100 Jahre später, kann ich mir gar nicht vorstellen, dass man diese "neutrale" Fassung als irgendwas anderes als starkes Statement gegen den Krieg verstehen kann.
Stichwort "100 Jahre später": der Anhang sagt, es wurde die Interpunktion und Orthografie der Erstausgabe von damals verwendet und nur offensichtliche Fehler/Uneinheitlichkeiten korrigiert. Dafür finde ich, habe ich dem Text sein Alter wirklich kaum angemerkt. Da fühlt sich die Sprache mancher Bücher von 1940 - 1960 irgendwie fremder an für mich. Ich war wirklich überrascht, wie flüssig sich das Buch hat lesen lassen, ich hatte anderes erwartet.
Ansonsten ist es natürlich ganz schön harter Tobak. Einerseits die ganz körperlichen Details des Nahkampfes in Gräben und Trichtern. Und auf der anderen Seite die mentalen Auswirkungen, gerade auch im Heimaturlaub, wo doch der Krieg vergleichsweise weit weg ist.